Tag 67 - Same same

Erst einmal ein herzliches Dankeschön fürs Daumen drücken und die aufmunternden Nachrichten (hier, auf Facebook, Instagram und SMS) - das hat mich sehr gefreut. Ich war schon ziemlich aufgeregt muss ich sagen, denn noch in der Nacht auf der Donnerstag zu Freitag hatte ich beschlossen, dass es vielleicht DER Traumjob sein könnte, da in der Online-Redaktion auch viel mit Apotheken zusammengearbeitet wird - und das wäre ja sozusagen mein absolutes Steckenpferd...
Aber zum Anfang: Kurz nach 11, top-gestylt und mit hüpfenden Herzen hab ich mich auf den Weg ins nördliche Schwabing gemacht. Im Bus hatte ich eine kurze Panikattacke, da ich dachte, ich habe die Haltestelle verpasst. Die netten Kontrolleure, ja ich bin im Bus kontrolliert worden - echt seltsam für München, haben mich aber beruhigt, die Haltestelle kommt noch. Puh. Normalerweise bin ich da nicht so. Also was Haltestellen angeht. Da ich normalerweise einen guten Überblick habe, aber ich war eben nervös.

Mit ein bisschen weniger Panik habe ich es an der richtigen Haltestelle geschafft auszusteigen und auch das Gebäude, in dem sich die Firma befindet habe ich sofort gefunden - ha - da war er wieder da, mein Orientierungssinn. Schnell aus den Ballerinas in die Pumps geschlüpft, in den Aufzug und rein in die Firma. Keiner da. Panik lässt noch mehr nach, dafür fange ich extrem das Schwitzen an, da sich das rundherum verglaste Büro extrem aufgeheizt hat. Vor lauter Schwitzen hatte ich gar keine Zeit mehr nervös zu sein. Schwitzend sitze ich eine weile auf der stylishen weißen Couch und fächel mir Luft mir einem Magazin zu. Kurz vor 12 wird mir das zu blöd und ich wandere mal durch die Firma. Endlich kommt mir jemand entgegen. Eine schicke, aufgeregte Frau, die sich mir als Geschäftsführerin vorstellt und völlig unorganisiert und verwirrt schaut. "Oh ja stimmt, Sie haben ja einen Termin"... Haha. "Ja, ich muss jetzt zu einem Großkunden. Ich weiß jetzt auch nicht..." Haha "Also, die Frau So-und-so macht dann mit dem ÄÄÄÄndy und Ihnen das Gespräch". Ok. Alles klar. Ich warte noch ca. 15 Minuten auf der Couch bis die Frau So-und-so endlich Zeit für mich hat.

Die Aufregung ist tatsächlich wie verflogen und deshalb helfe ich der guten Frau auch erstmal den Konferenztisch von Kekskrümeln und leeren Flaschen zu befreien. Der ÄÄÄndy ist zwar noch nicht da, aber wir fangen trotzdem schon mal an. Sie hat keine Ahnung. Aber schicke Stiefel mit Nieten hat sie an. Irgendwann kommt dann auch mal der ÄÄÄndy, ein etwas dickerer, schleimiger Typ, der sich selbst wohl am meisten liebt, erzählt mir, was auf mich zu kommen würde und andere wirre Sachen. So wie alles irgendwie in dem Laden. Schick, aber total unorganisiert. Dem ÄÄÄndy stelle ich leider zu viele Fragen die er nicht beanworten kann und die Frau So-und-so weiß leider auch nicht soviel. Außer dass 40 Stunden die Woche gearbeitet wird (das ist ok) und dass das abwechselnd in Schicht ist. Und zwar von 9-18 Uhr oder von 10-19 Uhr, wegen den Kunden, die anrufen könn(t)en (das find ich nicht ok, weil ich eigentlich lieber früher arbeite und ich mich frage welcher Kunde ernsthaft um 18 Uhr noch anruft, denn ich geh mal schwer davon aus, dass das normale Kunden sind und in normalen Firmen wird nicht so lang gearbeitet.). Urlaub sind 23 Tage, Heilig Abend und Silvester bekommt man geschenkt, das macht für mich zusammen 24 Tage. Nach meinem letzten Job hab ich mir geschworen, nie nie nie wieder in einer Firma zu arbeiten, in der ich nur 24 Tage Urlaub habe. Das klingt jetzt vielleicht überheblich, aber das ist wirklich zu wenig. Damit kann man kaum was anfangen und wenn dann doch mal was größeres ansteht, dann steht man echt doof da, mit seinen 23 + 1 Tagen...

Lange Rede kurzer Sinn: Der erst Eindruck war ok, der zweite überhaupt nicht. Das Gespräch ist schon  sehr positiv verlaufen. Am Montag melden sie sich zwecks Probearbeitstag, den ich natürlich antreten würde, und ich würde auch da anfangen, wenn sie mich nehmen, aber nicht ohne parallel weiterzusuchen, denn das klingt mir alles zu sehr nach meiner alten Firma, wenn nicht sogar noch ein wenig grausiger und unorganisierter...Same same eben...
Jetzt gehts erst mal aufs Starkbierfest. So. Ein Prosit... und an guadn.

Fräulein Berger geht zum Vorstellungsgespräch
Hose und Blazer von Marella // Bluse von COS // Pumps von Jimmy Choo

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